24 September 2009 - 19:00 -- Nichtraucher

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Immer da wo du bist bin ich nie

Die neue EOC-Scheibe ist rauer und ruppiger. Anders die "Mittelpunkt der Welt", die sich schon beim ersten Mal Durchhören buttrig-weich in die Gehörgänge schmeichelte und den Hörer sich wohlig schnurrend auf dem Sofa räkelnd zurückließ, verlangt die "Immer da" etwas mehr Entgegenkommen und Geduld und ich hab sie mir noch lange nicht "erhört", da brauch ich noch ein paar Durchgänge.

Coverbild



EOC haben ihren unverwechselbaren Sound seit 20 Jahren und schaffen es doch gleichzeitig, jeder Platte einen eigenen Touch zu geben. Auf der "Mittelpunkt" war es der volle, weiche Folk, der mit den Mundharmonikastücken des Robert-Zimmermann-Soundtracks auf die Spitze getrieben wurde. Und damit vielleicht auch ausgereizt für die Jungs. Diesmal ist es ein Hauch von Country, abgemischt in Nashville haben sich Steel-Guitars, schwere Bassläufe und schunkelnde Mariachi-Rythmen in die Songs geschlichen. Da schlagen die Drums auch schon mal im düster-wirbelnden Marschtakt, als würden gleich die Pennsylvania Volunteers vorbeiziehen. Eine sehr interessante neue Note. Dabei klingt das nie wirklich wie Country, also nicht an BossHoss denlken, es sind nur kleine, subtile Elemente. Da erinnert mal ein Basslauf an den Boom-chicka-boom-Sound der alten Johnny Cash-Stücke oder eine Gitarre pickt im Bluegrass-Style ein wenig im Hintergrund herum. Aber wirklich nur ein Hauch.

Auch die Texte sind etwas sperriger, aber mal wieder ganz viel wunderbare Alltagspoesie. Darüber schrieb ich mal was extra, das würde jetzt zu weit führen. Regeners kleine Tochter singt in einem Lied im Background-Chor, das ist schrullig. Wird Regener weich auf seine alten Tage?

Also herber und kantiger als die "Mittelpunkt", nicht so aus einem Guss, was aber natürlich auch toll ist, weil man sieht, die rosten nicht, die sind noch ganz munter und interessiert, die Elementarteilchen, da steckt noch viel Musik drin. Freu mich schon auf die Tournee.