21 November 2006 - 00:02 -- Celebrian

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Die verzweigte Logistik der Reinigungsmittel


Es gibt so ein paar Dinge, die ich eigentlich nie herausfinden wollte. Hinzu hört ein mehr als nur flüchtiger Blick in die Welt der Putzmittel. Oder: Reinigungsmittel (besonders schön: "Spezial Produkte zum Reinigen", einer der netten Fehler, die seit der Rechtschreibreform Legion sind.) "Putz-" klingt nach Ata und Wischlappen, "Reinigungs-" nach Desinfektion und Technik. Es heißt ja auch nicht mehr Putzfrau, sondern Reinigungsfachkraft, oder so ähnlich.

Heute war ich wegen ein paar Schraubhaken im Baumarkt und habe mich gleich noch bei den Putzmitteln nach DanKlorix umgesehen, womit ich den Pilzsporen in meiner Wohnung auf den Leib zu rücken gedenke. So was simples gab's allerdings nicht.
Dafür konnte man mit dem einen Mittel gegen Algen vorgehen, mit dem anderen gegen Zementschleier, mit dem dritten gegen Urinstein. Für 7-9 Euro je Flasche kann man Moose killen, Fugen reinigen, Glaskeramik-Kochplatten putzen, Rost lösen, Küchen entfetten oder Klebereste entfernen. Wohlgemerkt: Oder! Jede Flasche wirkt hübsch nur gegen eine garstige Verunreinigung.

Kompliziert wird es, wenn man sowohl die Art der Verschmutzung als auch die Oberflächenbeschaffenheit des zu putzenden Areals berücksichtigen möchte. Denn ob die Alge auf PVC, Granit, Terrakotta oder Laminat sitzt, ist dem Reiniger nicht egal! Jeder Untergrund hat seinen Reiniger, Linoleum, Klinker, Wintergarten (?), Kaminglas (Kaminglas!!!), Duschkabinenplastik, Teak, Kork, Naturstein, Parkett, Marmor.

Ich stelle mir die typischen Kunden dieses Zeugs vor wie die Frau in American Beauty. ("Sehen Sie, wie der Griff der Baumschere farblich zu ihren Gartenschuhen paßt? Das ist kein Zufall.") Sie wird Stunden um Stunden mit der verzweigten Logistik der Reinigungsmittel kämpfen und daheim horten, was ihr wichtig scheint. Wenn ihr dann ein Fleck auffällt, wird sie zunächst die Beschaffenheit des Schmutzes analysieren und dann die Ansprüchlichkeit des Untergrunds bewerten, bevor sie triumphierend aus ihrem Reinigunsspezialproduktwandschrank die richtige Flasche hervorholt.

Und die Waffenfrage? Natürlich verfügt sie über ein Sprühpistolenset. Allerdings auch über einen Spezialscheuerschwamm und einen Silicon- und Glaskeramik-Kochfeld-Schaber incl. Ersatzklinge. Nicht zu vergessen den Vileda-Wischswiffer samt Eimer mit Auswringaufsatz; für die ganz schlimmen Fälle auch einen Hochdruckreiniger. Aber selbstverständlich wird sie auch hier die korrekte Auswahl treffen. Zur Not muß sie eben noch mal los und sich die allergenarmen Putzhandschuhe auch in löwenzahngelb holen (lila Putzhandschuhe und ein frühlingswiesengrüner Silicon- und Glaskeramik-Kochfeld-Schaber-Griff?? Niemals!). Außerdem haben die neuen Handschuhe Baumwollinneneinsatz und gehen fast bis zum Ellbogen. Extra lang.

Nach dem Putzen muß unter Umständen der Marmor poliert, der Steinboden versiegelt, das Teakholz gepflegeölt und alles andere imprägniert werden (aber nicht etwa mit einer Flasche: es gibt eine Imprägnierung für Markisen, eine für Teppiche, für Textilien, Terrakotta etc.).

Weil aber alle Übersättigung nach neuen Herausforderungen strebt, wird die Dame völlig neuartigen Schmutz entdecken und diversen Firmen davon berichten in der Hoffnung, es werde bald ein entsprechendes Putzmittel auf dem Markt sein. Sie wird feststellen, daß zwischen Feinsteinzeug-Imprägnierung und Naturstein-Imprägnierung noch Raum ist für eine Mittelgrobsteinzeug-Imprägnierung, daß der Espresso- und Pad-Kaffeemaschinen-Entkalker bei der Milchschaumdüse versagt, daß der Teakholzreiniger bei Eukalyptusholz Streifen verursacht und daß die weißen Zierkiesel keinen eigenen Reiniger haben, obwohl sie doch so moosanfällig sind.

Am Ende steht dann der Grabsteinreiniger. Keimfrei zu Gott.