20 September 2006 - 00:01 -- Ramujan

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Battlestar Galactica 2003 - Folgen 1.9 bis 1.13

Achtung, enthält Spoiler!

Die letzten fünf Folgen der ersten Staffel:

Battlestar Galactica Crew



Tigh Me Up, Tigh Me Down: Mal wieder eine Folge, die etwas witziger angelegt ist - sie kommt aber dennoch nicht an den Humor von Six Degrees of Separation heran, finde ich. Dies liegt vor allem daran, dass nicht Gaius , sondern Tighs ehemals vermisste und nun plötzlich wieder erschienene Ehefrau Ellen im Mittelpunkt des Geschehens steht. Gaius hat am Anfang eine grandiose Szene im Labor, in der Nummer Sechs ihn verführt. Danach geht's abwärts. Einerseits ist die Folge sicher gut geschrieben - gegen Ende hin wird das Geschehen zunehmend überspitzt dargestellt -, andererseits wirkt Ellen eher schrill als witzig. Meines Erachtens die schwächste Episode der ersten Staffel. Randbemerkung: Edward James Olmos, der Schauspieler hinter Adama, durfte hier auch auf dem Regiestuhl Platz nehmen.

The Hand of God: Schön, wie die Produzenten es schaffen, eine gute Mischung aus dramatischen, witzigen und actionreichen Folgen hinzubekommen. Diese Folge ist eindeutig actionlastig ausgelegt, etwas Dramatik gibt's aber auch hier. Zudem bekommt der Zuschauer ein paar Hintergrundinfos über die alten Legenden, die Kolonien und die Prophezeiungen geliefert, die in den späteren Folgen wohl zunehmend wichtiger werden. Zurück zur Action: Die ist hier mal nicht nur Lückenfüller, sondern rückt in den Mittelpunkt der Handlung. Um Treibstoff zu bekommen, muss Apollo eine Zylonentankstelle sprengen. Man denkt an Star Wars, wenn Apollo es einem Skywalker gleichtut und mit seinem Gleiter durch enge Schächte saust. War sicher überdurchschnittlich teuer: Trotzdem, Teile der Kampfhandlungen werden nicht direkt gezeigt, sondern lediglich durch das Verschieben von Spielzeug-Zylonenraptoren im Missionsraum angedeutet. Sämtliche Computergrafiker waren wohl damit beschäftigt, die finale Explosion zu animieren. Ist allerdings nicht schlimm, mir gefällt die Inszenierung hier. Apollo hat eine schöne, gelungene Szene mit seinem Vater, der ihm symbolträchtig ein Erbstück seines Großvaters, ein Feuerzeug, überreicht. An dieser Stelle möchte ich auch mal den Soundtrack der gesamten Serie erwähnen, den ich für überaus gelungen halte: Die ruhigen Klänge des Intros, die sich in Trommelschläge auflösen, die dramatische Musik, wenn es spannend wird, irische Folklore, wenn die Helden auf der Battlestar empfangen werden ...

Colonial Day: Puh: Eine politische Folge, man erfährt sehr viel über das Machtgefüge der Kolonien. Leider haben ab und an wohl meine Englischkenntnisse versagt - wie gut, dass es das Netz mit Infos zum Nachlesen gibt. Sicher nicht meine Lieblingsfolge, die ganze Geschichte um den Attentäter wirkt etwas lieblos, so als ob die Produzenten der eigentlich im Mittelpunkt stehenden Wahl nicht genug Spannungspotential zugetraut hätten. Die Politik scheint mir auch mehr fernsehgerecht vereinfacht, als realistisch zu sein: Zum Beispiel reichen zwei Stimmen (ein Vorschlag und eine Zustimmung) aus, um eine Gesetzesänderung zu erwirken. Gefallen hat mir der zweite Auftritt von Richard Hatch als Tom Zarek: Man nimmt ihm die gleichermaßen charismatische wie gefährliche Führungsnatur sofort ab.

Kobol's Last Gleaming I+II: Eine Doppelfolge - und ein absolut würdiger Abschluß der ersten Staffel. Hier stimmt eigentlich alles: Dramatik, Action, schauspielerische Leistung, Spannung - ganz groß. Haben die Produzenten zum Schluss noch so viel Geld übriggehabt oder hat das Studio gesagt: Lasst uns noch mal das Budget erhöhen, viel Spaß damit? Es gibt viel Action, mehrere neue Sets, hübsche Außenaufnahmen; das wirkt kinoreif. Schön: Handlungsfäden wie der erbeutete Zylonengleiter sind rund zum Ende geführt worden. Der Absturz auf Kobol ist dramaturgisch toll inszeniert, die Angst der Besatzung, die Panik von Gaius zischelt förmlich durch die Mattscheibe (naja, in meinem Fall: durch das Notebook-Display). Das Interieur des Basisschiffs ist eine gelungene Fortsetzung des organischen Gleiterinnenraums: Erinnert alles ein wenig an die Alien-Konstruktionen Gigers. Ich hätte mir zwar mehr Leben gewünscht, pulsierend rot aufleuchtende Wände, pochende Gefäße, Lichtstrahlen, die durch das Gewebe fingern, aber ich will mal nicht so sein. Ist sicher auch eine Budget-Frage. Die letzten Minuten sind wirklich toll inszeniert, ein absolut gelungener Cliffhanger; da ich aber wußte, dass das Ende offen bleibt, habe ich mit so einer oder einer ähnlich dramatischen Situation gerechnet. Ich war also nicht wirklich überrascht. Frage: Warum erschieß Helo auf Caprica nicht Starbuck, als sich diese ihm nähert. Bei allem, was er durchgemacht hat, muss er sie doch für eine Zylonin halten. Er hat doch sicher einen paranoiden Totalknacks. Aber immerhin: Starbucks rafft umgehend, was es mit Shannon auf sich hat und will sie dann auch prompt abknallen.