14 September 2006 - 23:12 -- Ramujan

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Battlestar Galactica 2003 - Pilot und Folgen 1.1 bis 1.4

Achtung, enthält Spoiler

BSG - Season One


Ich habe den Piloten und die ersten vier Serienfolgen gesehen; an einem Stück habe ich mir BSG dann doch nicht angetan, nach spätestens vier, fünf Folgen würde meine Konzentration ohnehin wegbrechen. Zudem hat man mehr von der Geschichte, wenn man sie sich mit etwas Leerraum zwischen den Folgen anschaut. Vorweg: Die Erwartungen sind erfüllt. Ich gehe einfach mal sukzessive durch:

Der Pilot: Irgendjemand hat im Forum geschrieben, der Pilot könnte locker mit einem Kinofilm mithalten. Das kann er meines Erachtens nicht. Die Computergrafiken wirken billiger als die millonenteuren Renderingszenen moderner Blockbuster, die Kampfszenen erinnern mich etwas an die alten "Wing-Commander"-Computerspiele. Auch die serientypischen harten Schnitte, die immer dann eingesetzt werden, wenn für die TV-Ausstrahlung Werbung geplant ist, reißen einen aus der Handlung. In den USA ist der Pilot zuerst als Zweiteiler ausgestrahlt worden. Der erste Teil endet (nehme ich zumindest an) mit einem veritablen Cliffhanger: Die Colonel One wird "angeblich" von einer Atomrakete getroffen, am Anfang der zweiten Pilotepisode erfährt man sofort, dass die Explosion lediglich ein Ablenkungsmanöver war. Bei dem Zusammenfassen der beiden Folgen geht hier natürlich der dramaturgische Sinn verloren.

Ohne Serie wäre der Pilot ein wenig unbefriedigend - er dient halt in erster Linie dazu, Charaktere zu etablieren und die Vorgeschichte zu erzählen. Atmosphärisch hat er aber ein paar sehr gute Momente: Dies liegt zum einen sicher an der stimmungsvollen Trommelmusik, die wie Herzklopfen bummert - bommbommbomm -, aber interessanterweise auch am geringen Budget. Man muss sich etwas einfallen lassen, wenn man Explosionen und fliehende Menschenmassen nicht direkt zeigen kann. So gibt es zum Beispiel das kleine, puppenspielende Mädchen auf einer der Stationen, die zurückgelassen werden müssen, weil sie technisch nicht in der Lage sind, einen Lichtsprung durchzufühen. Die Kamera hält während des Angriffs auf das Mädchen, hinter dem Mädchen wächst ein Lichtblitz. Stark. Überhaupt ist der Film sehr konsequent: Kinder und Babys werden nicht verschont, man konzentriert sich von Anfang an darauf, eine düstere Stimmung herzustellen.

Was mir sonst noch einfällt? Ach ja, Nichtraucher kritisiert die positive Einstellung zum Militär, die die Serie annimmt. Ich denke, diese Richtung wird schon im Piloten sehr stark deutlich, andererseits ist sie auch nicht überpräsent. Der Cliffhanger am Ende gefällt mir gut, geschickt gemacht.

Fazit: Als Kino- oder für sich allein stehender Fernsehfilm unbefriedigend (nicht nur wegen des offenen Endes), als Pilot für eine Serie okay - mit ein paar guten atmosphärisch dichten und spannenden Szenen.

Zu den Folgen: Eigentlich wollte ich den Folgen Punkte im Bereich zwischen Eins und Zehn zuweisen, aber da die Qualität bei den bisher gesehenen Folgen konstant hoch war, lasse ich das lieber.

33: Ein sehr guter Einstieg, wie ich finde. Spannend erzählt und der dokumentarische Stil bringt das Geschehen hervorragend rüber. Was sofort positiv auffällt: Wie glaubwürdig die Figuren sind. Jeder Charakter scheint kurz davor zu stehen, im Stehen einzuschlafen, alle wirken träge, erschöpft. Die ständig eingeblendeten Uhren machen Tempo, sorgen für Spannung. Bisher war es so, dass in jeder Folge ein Schaupsieler im besonderen Maße zeigen darf, was er kann: Dies ist die Folge von Gaius, der auf dem Drahtseil zwischen Gewissensbissen und Selbstsucht balanciert, und der, während sein rationales Weltbild zunehmend kollabiert, kurz vor dem Nervenzusammenbruch steht. Naja, mehr oder weniger, ist jetzt von mir leicht pathetisch notiert. Der Konflikt mit der Olympic Carrier ist natürlich hochbrisant, die Fotowand ein starkes symbolisches Mittel. Diesen ganzen politischen Kontext der Serie mit all den Anleihen zum 11. September können andere aber besser beschreiben, außerdem ist es schon spät und ich muss noch über drei Folgen berichten.

Was ich auch noch lobend erwähnen möchte: Ich hätte gedacht, dass der Handlungsstrang auf Caprica mit dem Pilotfilm endet. Aber in jeder Episode wird das Geschehen auf dem Planeten ein ganz klein wenig fortgesetzt. Bin mal gespannt, wie die Handlung hier weiterläuft.

Water: Die Folge Boomers, die sich hier entsetzt fragt, was sie mit dem "Unfall" in den Wasserdepots zu tun hat. Sie scheint ja nicht zu wissen, dass sie ein Zylon ist, zumindest wird dem Zuschauer dies vorgegaukelt. Auch Tyrol ist hier stark. Die Macher versuchen mit dieser Episode sicherlich auch ein paar Fragen über die Versorgung der Überlebenden mit Flüssigkeit und Nahrungsmitteln zu klären. Alles in allem: Spannend, aber das große Plus ist die Charakterentwicklung, insbesondere von Boomer. Ihr Zweifel im Raptor-Flieger, als sie die Wasservorräte auf dem Mond/Planeten entdeckt, wirkt allerdings ein wenig, mmmh, "seltsam".

Bastille Day: Durch die politischen Fragen nach Demokratie und Freiheit, die in der Folge aufgegriffen werden, sicherlich eine der Lieblingsfolgen von Thanil. smilie Der Apollo aus der Originalserie hat hier eine Rolle als inhaftierter Terrorist, der seine Mitgefangenen aufhetzt. Bisher die stärkste Folge von Apollo. Auch Gaius hat wieder ein paar spannende Szenen: Hier wird erneut deutlich, wie stark die Zylonin Nummer 6 ihn unter Kontrolle hat.

Der Zylonendetektor, den er konstruieren soll, lässt sich in Wirklichkeit ziemlich einfach realisieren: Man muss darauf achten, wessen Wirbelsäule beim Sex glüht - aber auf die naheliegende Lösung scheint niemand zu kommen.

Jetzt wollte ich noch irgendwas schreiben, hab aber vergessen was. Nächste Folge.

Act of Contrition: Fängt rührselig an, finde ich: Das Begräbnis der toten Besatzungsmitglieder mit allen militärischen Ehren, das mit dem Begräbnis des toten Apollo-Bruders und Starbuck-Freunds gegengeschnitten wird, das ist fast schon zu viel des Guten. Die Folge steigert sich aber. Eigentlich ist die ganze Episode auf Starbuck ausgelegt, deren Schauspielerin hier völlig in der Rolle auf geht. Auch Commander Adama ist sehr stark: Als er erfährt, dass sein Sohn durch die Pilotenausbildung gefallen ist, habe ich mich tatsächlich gefragt: Schlägt er zu oder nicht? Bisher die beste darstellerische Leistung der Serie. Zum Schluß gibt's als Sahnehäubchen noch etwas Action (es stört leider, dass sich einer der Schüler sofort als Held profiliert) und einen soliden Cliffhanger.