13 März 2006 - 13:12 -- thanil

Tod im Schnee - Köln gegen Nürnberg

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Ich bin mir sicher, dass wir das interessanteste, spannendste und beste Spiel des Spieltags gesehen haben. Leider ging es nicht gut für Köln aus. Nach 25 Minuten stand es bereits 0:3 aus Sicht der Kölner, und die ersten Fans der Südkurve verließen gefrustet das Stadion. Das Spiel begann furios aus Sicht der Heimmannschaft. Nach wenigen Minuten gab es schon zwei oder drei hochkarätige Chancen für den 1. FC Köln, und die Leute sprangen mehrmals aus ihren Sitzen. Dann kam der erste Gegenangriff der Nürnberger...



...der von Alpay im Strafraum durch ein Foul gestoppt wurde. War eine klare Sache: Elfmeter. Leider verwandelte der Nürnberger Spieler souverän. Naja, danach ging das Spiel auf ein Tor weiter: Köln stürmte und hatte erneut Chancen. Leider kam dann der zweite Angriff der Nürnberger und die erste erspielte Torchance, die dann auch sofort von demselben Nürnberger verwandelt wurde. Das war schon frustrierend. Aber die Kölner ließen sich nicht unterkriegen und spielten weiterhin offensiv und kamen zu Chancen. Dann kamen die Nürnberger das dritte Mal in den kölschen Strafraum, oder an den Rand des Strafraums. Der Nürnberger wurde vom Ball getrennt, Triskel sagt, dass es zwar im Strafraum war, aber kein Foul, sondern eine Schwalbe. Oxi und ich glaubten, dass es zwar ein Foul war, aber knapp außerhalb des Strafraums. In jedem Fall fanden wir alle es ziemlich kühn vom Schiri, innerhalb von fünfzehn Minuten bei einem Stand von 2:0 erneut auf Elfmeter zu pfeifen. Der Mann war entweder Gefahrensucher oder ein echter Idealist. Jedenfalls stand es dann 0:3 aus Sicht der Kölner. Zu diesem Zeitpunkt, also nach 25 Minuten, konnte es einem schon etwas anders werden. Wie frustrierend ist das denn bitte? Die Nürnberger hatten bis dato genau EINE Chance und machten daraus DREI Tore.

Aber die Kölner gaben nicht auf. Stattdessen tauschten sie einen Abwehrspieler gegen einen Stürmer und spielten munter weiter auf das Nürnberger Tor. Der Erfolg stellte sich nach ca. 10 Minuten ein, als irgendein Kölner Spieler den Ball über die Linie krüppelte - Tor für Köln und ein Hoffnungsschimmer tat sich auf. Der Rest der ersten Halbzeit war genau wie zuvor ein Spiel auf ein Tor. Die Nürnberger zogen sich halt zurück - ist auch klar bei dem komfortablen Vorsprung. Leider gelang in der ersten Halbzeit nicht mehr das unbedingt nötige Anschlusstor. Dennoch hatte ich irgendwie im Gefühl, dass da noch was ging.

Die zweite Halbzeit begann genauso bekackt wie die erste. Nach fünf Minuten stand es plötzlich 1:4, und ich war kurz davor mich von der Tribüne zu stürzen, auch angesichts meines in den letzten Wochen ausgeprägten 1:4-Ergebnistraumas - Deutschland gegen Italien, Bayern gegen Mailand und nun auch noch Köln gegen Nürnberg 1:4 - das geht echt gar nicht.

Zu meinem völligen Erstaunen war das Rückgrat der Kölner aber immer noch nicht gebrochen. Sie haben einfach noch einen Abwehrspieler gegen einen Stürmer eingetauscht und weiter gestürmt. Dann kam der Schnee. Trotz Rasenheizung verwandelte sich das Spielfeld innerhalb kürzester Zeit in ein Stalingrad. Aber Köln war noch nicht geschlagen, denn man erspielte sich trotz massivster Bemühungen seitens des Schiedsrichtergespanns, das Spiel durch seltsame Entscheidungen zugunsten der Nürnberger zu zerstören, das 2:4 und das viel umjubelte 3:4 durch Podolski. Da war das Stadion völlig aus dem Häuschen, vor allem auch, weil immer noch eine Viertelstunde zu spielen war und die Nürnberger inzwischen total eingeschüchtert in ihrer Hälfte gefesselt waren.

Dann jedoch kam der Nackenschuss: der Kölner Lell verlor nach einer weiteren seltsamen Entscheidung des Schiris gegen seine Mannschaft die Nerven und schubste einen Nürnberger Spieler übers Feld. Allen war klar, dass es jetzt nach der bereits erteilten gelben Karte die Gelb-Rote geben würde, und so kam es auch. Also gesellte sich zu zwei Strafstößen für Nürnberg auch noch ein Platzverweis. Mit zehn Leuten, keiner Abwehr und im Schneegestöber dominierte Köln zwar weiterhin das Spiel, aber konnte keine zwingende Chance mehr erspielen. Aber sie kämpften beherzt, und das hat uns alle milde gestimmt. Nürnberg hatte in der zweiten Hälfte der zweiten Halbzeit dann auch noch ein paar hochkarätige Chancen, die wohl vor allem auf das Fehlen einer Kölner Abwehr zurückzuführen waren.

Es gab gefühlte 15 gelbe Karten für Kölner Spieler, und genau eine für einen Nürnberger. Ich würde aber nicht sagen, dass die Kölner so unfair spielten. Ich will jetzt nicht behaupten, dass es Schiebung war, aber es lief schon ziemlich bekackt aus unserer Sicht.

Ich habe noch nie ein Spiel gesehen, in dem eine Mannschaft so zwingend hätte gewinnen müssen und können. Allein schon die Eckballstatistik sagt alles über die Spielanteile aus: 9:2 für Köln. Aber am Ende zählen halt die Tore, auch wenn es zweifelhafte Elfmeter sind. Ich denke, den Kölnern fehlte einfach im entscheidenden Moment die Abgeklärtheit, Chancen zu verwerten und in Strafraumnähe keine Spirenzchen zu machen. Insofern natürlich leider ein "verdienter" Sieg für Nürnberg, sie waren einfach cleverer und haben aus ihren wenigen Chancen das Optimum gemacht. Entscheidend war aber, dass Köln mit Herz gespielt und eine tolle Aufholjagd gezeigt hat, die wenigstens mit einem Pünktchen hätte belohnt werden können.