04 Februar 2006 - 03:40 --

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Die Frau, die zweimal starb

7tzutzu

Ich wollte für meine schreckhafte Nichte eine irische Gruselgeschichte im Stil des 19. Jahrhunderts schreiben, bin aber nicht weiter gekommen. Vielleicht hat jemand Lust, daran weiterzuschreiben?

Weit im Westen Irlands, dort wo Himmel und Meer aufeinander stoßen, stand am Rand einer schroffen Klippe ein mächtiges, altes Haus. Seine schwarzen Fenster blickten auf zur einen Seite über die windgepeitschte See, zu anderen ins heidegrüne Tal hinab. Ein Garten von ungeheurer Ausdehnung umgab das Anwesen, von einer verwitterten Steinmauer umgeben und mit mächtigen Bäumen bestanden, deren Kronen im ewigen Küstenwind rauschten. Auch wenn es einst ein stolzer Landsitz gewesen sein mag, so stand es nun schon lange leer und Moos überzog die Mauern wie Pelz, Gras wucherte über den Kies und so dicht war das Unterholz, dass der neugierige Reisende, der das schmiedeeiserne Tor auf der Straße von Galway nach Killibegs kommend passierte, nur mit Mühe einen Blick auf das Anwesen erhaschen konnte.

 

Doch an einem Frühlingstag, so frisch und klar, wie es ihn nur in Irland geben kann, hielt ein glänzend lackierter Zweispänner in der Zufahrt und der junge Erbe von Kilmary Lodge drehte einen Schlüssel im rostigen Schloss und nahm Besitz vom Anwesen seiner Ahnen, nicht ahnend, welch schwere Bürde er auf seine Schultern laden sollte...