09 August 2005 - 13:58 -- Celebrian

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Computer-Gedichtsstunde

Gestern habe ich meiner Mutter nach längerer Zeit mal wieder eine Computerstunde gegeben - sie möchte mailen und surfen lernen - und war einigermaßen geplättet, sie hat mehr vergessen, als sie je gewußt hat. *ächz* Nun versuche ich es mit Pädagogik, nach dem Motto: Nutze die Stärken deiner Schüler. Eine der Stärken meiner Mutter ist es, Gedichte auswendig zu können, also habe ich den heutigen Nachmittag mit dieser Verzweiflungstat hier verbracht:

Nimm an, du betrittst das Computerzimmer.
Als erstes fragst du dich: welches Gerät
ist der Rechner? Es ist, das merke dir immer,
der rechteck’ge Kasten, der seitwärts steht.
(Und nicht etwa der Monitor...)

Nun sorge für Strom mit der Steckdosenleiste.
Wo der Anschaltknopf ist? Na du, also weißte!
Natürlich am Rechner, und zwar einfach der,
der am meisten so aussieht, als ob er es wär’.


Nun warte geduldig. Es brummt und piept.
Der Bildschirm wird hell, der Rechner “fährt hoch”.
Die Infos, die der Bildschirm dir gibt,
vergiß getrost. Ich sagte dir doch:

Auch ich hab davon nicht den blassesten Schimmer, :oops:
weiß höchstens ‘nen Bruchteil, und doch klappt’s fast immer.
‘s ist wie bei so manchem Haushaltsgerät:
Alle nutzen’s, doch keiner weiß, wie es geht.

“Windows”, so heißt das Betriebssystem,
zu deutsch also “Fenster”. Hast du’s erst einmal
vom Prinzip her verstanden, dann ist’s sehr bequem:
wie ein Bildschirm im Bildschirm. Ist doch ideal!

Jedes Fenster hat oben rechts drei Symbole:
Das Kreuzchen schließt, der Strich minimiert,
das heißt, daß das Fenster nach unten abschwirrt,
und dort klick’ ich dann, wenn ich’s wiederhole.

Wo war’n wir? Ja: es ward gestartet,
und du hast wachsam drauf gewartet,
daß nichts mehr summt. Nun kann es wohl sein,
es stellen sich Fehlermeldungen ein,

in Wingeshausen ganz sicher sogar.
Was tust du damit? Na, ist doch ganz klar:
Du klickst auf “Abbrechen”, wenn es geht,
ansonsten “OK”, wenn nur das da steht.

Oft ist das mehrmals erforderlich,
doch lasse niemals verängstigen dich!
Wohl kommt er zuweilen störrisch daher
und denkt selbst. Sei immer dickköpfigér!

So auch zum Beispiel, wenn er dich fragt,
ob diese oder auch jene Datei’n
er löschen soll: dann klickst Du rasch “Nein”!
Wenn du nicht weißt, welche, ist “Ja” zu gewagt.

Die Fehler sind fort, der Blick ist frei.
Nun solltest du dich drauf besinnen,
was denn der Zweck des ganzen sei,
was willst du eigentlich beginnen?

Es ist wohl, wenn ich richtig seh’,
der Umgang mit dem www.
Du sagst, du möchtest gerne mailen.
So solltest du dich jetzt beeilen,

ins Netz zu kommen. Das geht so:
Auf dem Bildschirm irgendwo
gibt es “T-Online”, klick doppelt darauf!
Nur bei Doppelklick tut ein Programm sich auf.

Ein Fenster des Namens “StartCenter” geht auf,
du klickst dort auf “Internet verbinden”;
T-Online wird’s tun und Mails dabei finden,
doch das sind nicht deine! Besinne dich drauf:

Dein Postfach - nícht bei T-Onlíne!
Also klickst du einfach “Nein”.
Es öffnet sich dann zuguterletzt
der I-Net-Explorer, und du bist vernetzt.

(In Gießen ist das nicht so schwer,
da dich T-Online dort nicht stört:
Du doppelklickst den Explorér
und bist im Netz, wie sich’s gehört.)

Das StartCenter-Fenster stört dich? Na dann
erinnere dich, wie ich anfangs begann:
Drei Symbole rechts oben... ja, da! Und so weiter.
Du weißt schon. Nun zu deinem Netzbegleiter,

Zu dem Programm mit dem blauen E,
dem I-Net-Explorer. Was oben dort steht,
“Zurück”, “Suchen”, “Email” und vieles meh’,
ignorierst du am besten, wenn’s irgend geht.

Wichtig für dich ist nur die Zeile
Vor der “Adresse” steht. Hier teile
dem Internetexplorer mit,
wohin im Netz du lenkst den Schritt.

Das Programm kann ja von allein nicht erkennen,
wo du gerade hinwillst im www.
Du mußt ihm die Adresse benennen,
für Mails ist sie: “www.web.de”.

Doch nicht einfach tippen! Erinnere dich:
Der Cursor muß blinken, genau an dem Ort
wo schreiben du willst. Also klicke dort!
Dann tippe: die Buchstaben zeigen sich.

Nach “www.web.de” drückst du auf Enter,
die dickste Taste mit ‘nem Pfeil,
der Rechner summt kurz, dann erkennt er:
du willst zu einem Ort mit Mail.

Doch wehe! Ach! Bei web.de,
da ist so mancher Schrott zu finden,
und automatisch, wie ich seh’,
schafft Werbung es, dein Aug’ zu binden...

Da gibt’s nur eins: den Filterblick
mußt du dir schnellstens antrainieren,
und so das Bild analysieren,
sonst bringt die Surferei kein Glück.

Ob Otto Bademoden führt,
Ob es in Moskau gerade friert,
Ob Bayern heut auf Schalke verliert, :evil:
Ob Jelinek der Nobelpreis gebührt,

ist völlig egal! Du bist nur hier,
um Mails zu versenden. Das merke dir:
Klick niemals auf etwas, das sich bewegt,
das blinkt oder flimmert, sich irgendwie regt.

Noch bist du nicht im Postfach drin,
Schau rechts, und du siehst, dort steht: Login.
Du brauchst nun deine persönlichen Daten,
denn web.de kann ja, daß du’s bist, nicht raten.

Die Emailadresse tippst du da ein,
wo gefordert sie wird. (Und denke daran:
Der Cursor muß blinken.) Darunter sodann,
nicht etwa dahinter!, kommt’s Paßwort hinein.

Pro Buchstabe erscheint ein Stern,
ich weiß, das macht dich sehr nervös,
doch der Computer meint’s nicht bös,
es ist zum Schutz, laß dich nicht stör’n.

Gib acht, daß nicht zu fest und lang
du auf die Tasten drückst, denn dann
tippst dreimal du vielleicht ein i,
das Einloggen klappt dann wohl nie.

Das gilt, nebenbei bemerkt, auch für die Maus,
beim Zufestklicken rutscht dir der Cursor aus,
du klickst daneben, womöglich sogar
auf irgend’ne Werbung, o fürchterbar!

Nach Eintrag des Paßwortes klick’ auf Login,
und wenn alles stimmte - dann bist du drin.
Im Postfach schau dich einfach um!
Das meiste steht da, und du bist ja nicht dumm.

Zum Beispiel suche nach “Posteingang”,
dort sind deine Mails, ein Klick bringt dich hin.
Die Links hier sind blau, da denke dran.
Ob ich wohl jetzt noch vonnöten bin?

Ach doch, natürlich, wichtig ist das:
Gar oft hat die Website ‘ne größere Länge
als Platz auf dem Bildschirm ist. Doch kein Gedränge
entsteht, denn ganz rechts am Bildrand ist was,

das “Scrollbalken” heißt. Du klickst darauf;
Maustaste gedrückt haltend, fährst du dann
ganz nach Belieben hinab und hinauf.
Das nennt man “scrollen”, denke daran,

wann immer du feststellst, daß unten was fehlt.
Meist muß man nur scrollen, dann geht’s wie geölt.
Nun maile man schön! Noch ein kleiner Rat:
Zuletzt immer “Logout”, sei’s auch noch so spat.