25 April 2005 - 16:05 -- Nichtraucher

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Urlaub in Griechenland

Das Schöne an Griechenland ist die totale Relaxtheit, die einem förmlich an jeder Ecke überfällt. Die Griechen sind einfach locker, selbst im größten Gewühl bleiben sie lässig, quatschen einen nie voll und wollen einem keinen Tand andrehen oder in dunkle Kaschemmen ziehen. Nein, sie gehen das anders an, sie bieten alles, was der Tourist brauchen könnte, nette Tavernen, kleine Läden, Mopedverleihs, und dann setzen sie sich in den Schatten und man kann das Angebot nutzen oder auch nicht, das scheint ihnen bumms zu sein. Das alles strahlt eine solche Lässigkeit aus, dass die Entspannung in Minuten nach Verlassen des Flughafens eintritt, schon die Fährfahrten zu den Inseln sind Urlaub pur: man hängt mit einem eiskalten Bierchen an der Reling, die Sonne knallt auf die Nase, der Seewind kühlt die Stirn, Delphine tollen in der Bugwelle und gezackte SiIhouetten zahlloser Inselchen gleiten vorüber wie Traumgebilde... und schon ist man so locker, dass man aufpassen muss, keine Körperteile zu verlieren.

Nun gut..prinzipiell ist Griechenland ganz toll, solange man nicht im Juli/August hinfährt, das vorab. Juni und September sind die perfekten Reisezeiten. Für einen Kurztrip sind die Kykladen sicher eine gute Wahl, Griechenland komprimiert auf ein paar nahe beieinander liegende Felsinseln, von Athen gut erreichbar und untereinander durch ein dichtes Fährnetz verknüpft. Sehr elegant ist es, per Charter direkt von hier nach Santorin zu fliegen, wenn man sich Athen ersparen will (was aber ein bisschen schade wäre, die Stadt ist zwar ein schrecklicher Moloch, aber sehenswert).

Die Kykladen bieten weiße würfelförmige Häuschen, beeindruckend steile Felsen, kleine bis größere Strände und zahllose Buchten, in denen sich selbst der Massentourismus etwas verläuft. Die Infrastruktur ist perfekt und auf den zahlenden Gast aus Nordeuropa abgestimmt, und obgleich sie sicher die überlaufensten Inseln Griechenlands sind, wahrt der Tourismus immer ein charmantes Gesicht, Betonburgen, planierte Strände und Ballermänner gibt es nicht. Insel für Insel gibt es unterschiedliche Schwerpunkte, die man durch das beliebte Inselhüpfen (ein Tag hier, zwei Tage dort) für sich ausnutzen kann. Auf Mykonos ist (Schwulen)Party rund um die Uhr, auf Ios betrinken sich die Minderjährigen, das sind die beiden Partyinseln. Auf Naxos kann man wandern, es gibt den längsten Strand Griechenlands, den höchsten Berg der Kykladen (1000 m) und eine einsame Südküste, ideal für den eher gediegenen Urlaub. Auf Milos gibt es Bäume und mangels Stränden kaum Badetourismus, dafür wunderschöne und total versteckte Felsbuchten, die man mitunter nur mit dem Boot erreicht. Überall kann man herrlich tauchen, das Wasser ist warm und kristallklar und durch die felsige Struktur gibt es karibisch anmutende Riffe mit allerlei Seegetier bis hin zu Delphinen und kleinen Haien.

Auf Amorgos lockt das aus "The big blue" berühmte weiße Felsenkloster und eine schroffe, extrem bergige Landschaft, eher was für Individualisten. Auf der winzigen Insel Anafi gibt es gar nichts, Autos sind verboten, die Fähren fahren nur selten oder auch schon mal gar nicht, ideal zum totalen Abschalten und dicke Bücher lesen. Santorin ist DER Touristenmagnet, totaler Terror, sehr teuer, man sollte sie schnell wieder verlassen. Vorher aber sollte man sich einen 7-Euro Eiskaffee am Kraterrand genehmigen, so einen Blick gibt es auf der Welt nur einmal, ein Traum! Alle Inseln sind eher touristisch und bergen eher wenige archäologische und kulturelle Schätze, da sie bis vor kurzem bettelarme Felsbrocken waren. Die Monumente der großen Vergangenheit Griechenlands findet man eher auf dem Festland (Athen, Olympia, Korinth, Nauplia), an der türkische Küste und auf den großen, ehemals reichen Inseln der östlichen Ägais wie Samos und Rhodos. Dann gibt es für den echten Individualisten touristisch kaum erschlossne Eilande wie Lesbos, Chios und die Sporaden, dabei ist z.B. Chios mit seinen Pinienwäldern und uralten Bergdörfern ein echter Gehemtipp, eine wunderbare Wanderinsel, ein bisschen wie Korsika. Hier machen die Griechen selber gerne Urlaub, um sich vom Stress der Saison zu erholen. Ist allerdings etwas komplizierter hinzukommen, lange Fährfahrten oder Inlandsflüge sind in Kauf zu nehmen. Kreta ist ein Kapitel für sich, das kenne ich gar nicht.

Griechenland steht für unkomplizierte Blitzentspannung, nicht wahnsinnig exotisch, nicht sonderlich hip oder trendy, eher beschaulich bis vollkommen ereignislos.. es scheint jeden Tag die Sonne, das Meer ist meist spiegelglatt, die Preise sind moderat und es gibt überall dasselbe zu essen, und wenn es das ist, was man sucht, ist man hier richtig. Taucherbrille, ein dickes Buch und festes Schuhwerk mitnehmen.